Preiswerte Unterkunft für Radfahrer und Wanderer : Büfo regt Hostel oder Herberge für Touristen an

 

 

 

 

 

RP 24.09.2019

 

 

Wermelskirchen Das Bergische Land ist dank der Fahrrad-Trassen zur Rad-Region geworden. Für Touristen mit schmalerem Geldbeutel und für Familien sollte in der Region eine preiswerte Übernachtungsmöglichkeit zur Verfügung stehen.

 

Von Solveig Pudelski

 

Dieser Auffassung ist das Bürgerforum (Büfo). Die Fraktion stellt daher den Antrag, dass sich Bürgermeister Rainer Bleek für die Einrichtung eines Hostels oder einer Jugendherberge einsetzt.

Er solle Gespräche mit dem Hotel- und Gaststättenverband oder in Wermelskirchen ansässigen Hoteliers führen. Die Fraktion des Büfo  erinnert daran, dass ihr Fraktionsmitglied Friedel Burghoff in zwei Sitzungen das Thema Jugendherberge Burg angesprochen hatte. Laut Stadtverwaltung habe das Jugendherbergswerk aber kein Interesse, die Jugendherberge Burg zu aktivieren – und auch nicht, den Vorschlag des Büfo aufzugreifen, die ehemalige Jugendherberge Lindscheid zu übernehmen.

 Der Erlebnispark Jugendherberge Waldbröl reiche für die Region aus. Wie berichtet, wird die Jugendherberge in Burg seit  1. Oktober 2018 nicht mehr bewirtschaftet. Zuvor waren die Besucherzahlen deutlich gesunken. Ob es in Solingen eine neue Jugendherberge geben wird, prüft der NRW-Verband noch.

 

„Wir unterstützen die Bemühungen des Radwege-Pilotprojektes, das zum Ziel hat, mehr Tourismus in unsere Region und unsere Stadt zu holen“, schreibt das Büfo in dem Antrag. Die Balkantrasse locke immer mehr Fahrradfreunde in die Stadt. In dieses Projekt habe die Stadt mehrere 100.000 Euro investiert. „Was aber unserer Einschätzung nach fehlt, sind für mehrtägige Fahrradtouren  preiswerte Übernachtungsmöglichkeiten für Familien und Gruppen in unserer Region. Besucher die hier übernachten, könnten auch unsere gute Gastronomie sowie unsere mit viel Geld umgebaute Innenstadt  kennen lernen und noch mehr Leben in unsere Stadt bringen“, begründet die Fraktion den Antrag. Stadt und Land laden dazu ein, auch Wanderer würden dies begrüßen.  Für das Bürgerforum wäre eine Jugendherberge ein Gewinn für Stadt und Region, für eine weitere positive Entwicklung hin zum sanften Tourismus

 

 

 

 

 

 

 

RP 13.09.2019

 

 

Aufenthaltsqualität in der Wermelskirchener Innenstadt erhalten und steigern

:

Lebendigkeit der Telegrafenstraße steigern

Der Fraktionsvorsitzende des Bürgerforums wohnt in seinem Wahlbezirk und erledigt in der Innenstadt viel zu Fuß.

 

Von Solveig Pudelski

 

Oliver Platt sprüht vor Ideen, wenn es um Themen in seinem Wahlbezirk 7 geht. Für den Fraktionsvorsitzenden des Bürgerforums (Büfo) steckt dieser Bereich der Innenstadt zum einen voller aktueller und spannender Themen. Die Lebensqualität im Kern der Stadt zu erhalten und zu steigern, liege ihm sehr Herzen. Zum anderen kenne er auch die schöne und ruhige Seite des stadtnahen Wohnviertels rund um den Eickerberg. „Hier wohnt man ganz im Grünen mit Wäldern vor der Haustür, auf der anderen Seite bin ich in wenigen Minuten zu Fuß bei meinen Hausarzt, meinen Friseur und meinem Bekleidungsgeschäft“, erzählt er.  Er lässt sein Auto oft stehen und erledigt viel zu Fuß. So erkennt er viele Themen, gewinnt eine Einschätzung. Und immer wieder wird er von Bürfgern auf der Straße angesprochen.

Eine Erkenntnis auf seinen Fußwegen durch den Wahlbezirk war für ihn, dass Eingriffe auf der Telegrafenstraße vermieden werden sollten, bevor der Loches-Platz neu bebaut ist. „Wir sind gegen eine Abriegelung der Telegrafenstraße und gegen den gegenläufigen Radverkehr“, sagt er. Es sei besser, die Radfahrer über den Brückenweg zu leiten. „Dafür sollte der Radstreifen durchgängig in Rot markiert werden. Das ist sicherer und klarer.“ In den Niederlanden habe sich das bewährt. Den gegenläufigen Radverkehr halte er für einen zu massiven Eingriff, der erhebliche Nachteile für den Anlieferverkehr habe.

Die Telegrafenstraße sei eine funktionierende, florierende Einkaufsstraße, daher solle man Autofahrern das Halten in bestimmten Bereichen erlauben, nicht aber das Parken. „Halten ist ein kurzer Vorgang und heißt, dass ich mein Fahrzeug noch im Blick habe.“ Die Attraktivität dieser Meile hänge von der guten Erreichbarkeit ab, aber auch von der Möglichkeit des „Sehen und Gesehen werden“. Platt: „Alle, die die Außengastronomie nutzen, wenden sich in Richtung Straße, und schauen.“ Diese freundliche Form des Voyeurismus gehöre zum städtischen Leben dazu. „Wermelskirchen ist cool, hier funktioniert die Außengastronomie.“ Gift für diese Lebendigkeit wäre es, Straßennutzungsgebühren zu erheben.

Sobald der neue Einkaufschwerpunkt auf dem Loches-Platz fertiggestellt ist, werde sich der Stadtkern leicht verschieben. „Ein alter Fehler wird damit korrigiert: einen großen Supermarkt nicht in den Stadtkern zu platzieren“, erinnert Platt. Die beiden neuen Märkte auf dem Loches-Platz verändern nach seiner Einschätzung die Verkehrsströme. „Es müssen Verkehrszählungen erfolgen und ein Verkehrskonzept erstellt werden, ehe die Telegrafenstraße verändert wird.“

Um die Attraktivität der Innenstadt zu steigern, wünsche er sich einen regionalen Samstag-Markt. Wie der Wochenmarkt gehöre auch dieser „dorthin, wo die Menschen sind“, auf die Telegrafenstraße. Es gebe in Wermelskirchen und Umgebung viele regionale Anbieter, wie die Straußenfarm, den Thomashof, Bäcker, Bergisch pur und Dellmann’s Bräu. Regionalität bedeute Nachhaltigkeit. Wenn das Ganze mit mehr Aufenthaltsqualität kombiniert werde, locke dies auch Kunden.

Seinen Wahlbezirk trennt die B51 in zwei ungleiche Teile. Im Westen liege die Rhombusfläche – „der schlimmste Schandfleck“, aber auch ein Terrain mit großem Entwicklungspotenzial. „Ich appelliere an die Eigentümer zu verkaufen, damit hier etwas entsteht, dass junge Menschen in Wermelskirchen hält oder hinlockt. Eine Bildungseinrichtung und Start-up-Unternehmen.“

Auf dem Rundgang führt Oliver Platt  in einen Wald gleich neben der pulsierenden Bundesstraße. Dort steht ein alter, mehrstämmiger Baum, sein Lieblingsplatz im Viertel.  Erinnerungen an früher werden wach. „Hier habe ich meine Kindheit verbracht.“ Am Buchenhang steht sein Elternhaus und das eigene Haus seiner Familie. Viele Nachbarn kennt er seit seiner Jugend. Die letzten Baulücken werden geschlossen. Oliver Platt kann sich kaum einen besseren Platz zum Wohnen vorstellen – auch wenn ihm die Lokalpolitik auf Schritt und Tritt begegnet.

 

 

 

Die Zeichen beim Bürgerforum (Büfo) stehen auf Veränderung. „Es deutet sich ein Generationswechsel an“, sagt Oliver Platt.

 

 

 

 

 

 

 

 

Rheinische Post 07.09.2019

 

 

Wermelskirchen Fraktionsvorsitzender einstimmig auch zum Vereinsvorsitzen gewählt

 

Von Theresa Demski

 

Die Zeichen beim Bürgerforum (Büfo) stehen auf Veränderung. „Es deutet sich ein Generationswechsel an“, sagt Oliver Platt. Fraktionsmitglieder über 70 hätten angedeutet, den Rückzug in die zweite Reihe anzustreben. Junge Leute ständen bereits in den Startlöchern, um zurKommunalwahl 2020 Wahl ihren Hut in den Ring zu werfen. Ein Konzept für den Wandel steht bereits – werde der Öffentlichkeit aber erst während der nächsten Mitgliederversammlung vorgestellt, erklärte Platt.

 

Mit der (nicht öffentlichen) Vorstandswahl am Donnerstagabend aber setzte der Verein bereits einstimmig ein deutliches Signal: Die Mitglieder wählten den Fraktionsvorsitzenden Oliver Platt einstimmig auch zum Vereinsvorsitzenden. Er löst Arnd Meller ab, der nach vier Jahren nicht mehr zur Wahl angetreten war. Die Zusammenarbeit zwischen Verein und Fraktion sei schon immer sehr gut gewesen, es sei nur richtig und logisch, sie vor dem Wahljahr noch zu stärken, erklärte Oliver Platt.

Vor der Vorstandswahl hatte er seine Ideen für die Zukunft des Vereins vorgestellt. „Wir müssen unbedingt stärker werden in den sozialen Medien“, erklärte er auf Nachfrage. Das Motto sei: Gutes tun und auch darüber reden. Die Menschen in Wermelskirchen sollten auch sehen, was das Bürgerforum bereits bewirke. „Ich wünsche mir eine Aktion, die wir Fridays for Wermelskirchen nennen könnten“, erklärte Platt, „denn wir müssen als Verein dringend auf die Straße gehen.“

 

Eine der großen Herausforderungen sei nun auch, den Generationswechsel im Verein zu gestalten. „Die erfahrenen Mitglieder bleiben uns erhalten und stärken uns weiter“, sagt Platt, „die neuen Gesichter müssen wir integrieren und bekannter machen.“ Die Vereinsmitglieder hätten während der Versammlung mit der Wahl für den neuen Vorsitzenden auch ein einstimmiges Signal für diesen Generationswechsel gesetzt, freute sich Platt. Manfred Schmitz-Mohr und Jan Lawrenz wurden in ihren Vorstandsämtern bestätigt.

 

 

 

 

Dringenden Handlungsbedarf in Sachen „Jugendtreff Dabringhausen“ sieht Oliver Platt, Fraktionsvorsitzender des Bürgerforums (Büfo).

„Die Probleme sind doch bekannt. Es hätte schon längst etwas geschehen müssen.“

 

BM 10.08.2019 Von Solveig Pudelski

 

 Fraktionsvorsitzender Oliver Platt erinnert an den Antrag für den JHA. Darin ging es auch um Aufklärung über Gefahren des Drogenkonsums.

 

 

Dringenden Handlungsbedarf in Sachen „Jugendtreff Dabringhausen“ sieht Oliver Platt, Fraktionsvorsitzender des Bürgerforums (Büfo). Er fordert erneut ein Konzept zur Hilfe und Aufklärung Jugendlicher in diesem Ortsteil. „Der Bürgermeister muss das zur Chefsache machen. Die Stadt ist in der Pflicht, und Bleek bekommt jede Unterstützung von uns “, sagt Platt.

Gleichzeitig erinnert er an den Antrag seiner Fraktion, der in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses (JHA)  im März dieses Jahres auf der Tagesordnung stand, in den Hauptausschuss verwiesen wurde, von der Verwaltung bearbeitet werden sollte und dann nach Angaben von Platt versickerte. Dass die Stadt nach den Vorfällen im Dorfpark und auf dem Friedhof mehr Kontrollen fordert, habe ihn wütend gemacht. „Die Probleme sind doch bekannt. Es hätte schon längst etwas geschehen müssen.“

 

INFO

Drei Treffpunkte, drei Jugendgruppen

Jugendtreff In Dabringhausen sollen sich drei Gruppen junger Menschen treffen, Jugendliche und junge Erwachsene.

 

Orte Jugendliche treffen sich im Dorfpark, auf dem Friedhof und an der Grundschule am Höferhof. Für diesen Treffpunkt konnte die Stadt eine Einigung mit Jugendlichen darüber herbeiführen, dass bestimmte Regeln beachtet werden – dass der Platz zum Beispiel sauber hinterlassen wird.

 

Wie berichtet, gab es Fälle von Vandalismus und nächtlichen Ruhestörungen. Im Dorfpark hatten Jugendliche ein frisch aufgestelltes Verbotsschild beschmiert, ein zweites demontiert. Auf dem Friedhof hatten Jugendliche die Toiletten bekritzelt. Die Tags, das sind bestimmte, individuelle Schriftzüge der „Sprayer“, waren identisch mit denen, die im Dorfpark hinterlassen worden waren. Für solch ein rücksichtsloses Verhalten habe er kein Verständnis, hatte Bürgermeister Bleek daraufhin geäußert. Enttäuschend sei, dass die Eltern in den sozialen Medien Kritik als Meckerei bezeichnen, ihre Kinder in Schutz nehmen und die Missstände herunterspielen. Er hääte sich mehr Unterstützung der Erziehungsberechtigten gewünscht.

Oliver Platt will nicht erst auf die Einstellung des Streetworkers warten, der für die Jugemndlichen ein Ansprechpartner, eine Vertrauensperson und ein Vermittler sein soll. Er schlägt vor, dass sich Vertreter der Stadt mit dem Bürgermeister an der Spitze, Vereine, Polizei, Jugendliche und Eltern zu einem klärenden Gespräch zusammensetzen und über Lösungen diskutieren. Denn Vereinsvertreter berichteten von ihren Sorgen, dass Jugendliche bei ihren abendlichen Treffen in falsche Kreise geraten und so auch mit Drogen in Kontakt kommen. Denn nicht alle jungen Menschen, die sich in Dabringhausen treffen, seien aus dem Stadtteil.

In dem bereits gestellten Antrag für den JHA schlug das Bürgerforum vor, dass die Stadtverwaltung zwei potenzielle Flächen, die als Jugendtreff nutzbar sind, ermittelt und ein Konzept erarbeitet, wie dieser Aufenthaltsraum gestaltet werden könnte, damit die Sicherheit gewährleistet ist und die Lärmbelästigung minimiert wird. Als Begründung führt das Büfo an, dass viele Jugendliche keine adäquate Fläche für ihre Treffs finden. Wo sie sich treffen, litten Anwohner unter deren Lärm. Außerdem bestünde „die Gefahr eines vermehrten Rauschmittelkonsums“.

Eine Aufklärung über die Gefahren von Rauschmitteln  erfolge nicht. Eine Einflussnahme durch Stadtverwaltung, Ordnungsamt und Polizei sei schwierig, weil diese nicht entsprechend ausgebildet seien. Die Stadt solle zudem ein Konzept erarbeiten, für welche Aufgaben der Streetworker zuständig sein soll. Platt: „Aber auf den Streetworker können wir nicht warten, es muss vorher etwas geschehen.“

 

Oliver Platt (Büfo) kann dem Grünen-Ansinnen „viel Positives abgewinnen“: Die Idee der Müllvermeidung durch den gelben Sack ist komplett gescheitert.“

 

 

 

RP 29.05.2019

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Ratsleute bestehen auf Mischsystem aus gelbem Sack und gelber Tonne

 

Wermelskirchen

 

Die Kommunalpolitiker im Wermelskirchener Stadtrat beharren darauf, dass die Bürger der Stadt selbst entscheiden sollen.

 

Von Stephan Singer

 

Die Kommunalpolitiker im Wermelskirchener Stadtrat beharren darauf, dass die Bürger der Stadt selbst entscheiden sollen, ob sie ihren Abfall in einem gelben Sack oder in einer gelben Tonne entsorgen wollen. Das haben sie diesen Montag entschieden – bei Enthaltungen der Grünen und der Fraktion FÜR. Es soll einen zweiwöchigen Abfuhr-Rhythmus geben.

Mit dem Beschluss stimmte der Stadtrat dem gemeinsamen Antrag von CDU, FDP und WNKUWG zu, wonach die Stadtverwaltung beauftragt wird, über die Bergische Wertstoffsammel-Gesellschaft (BWS GmbH) den schriftlichen Verwaltungsakt einer Rahmenvorgabe an die ab dem 1. Januar 2020 zuständige Firma „Reclay“ zu erlassen. Die BWS führt für die Kommunen die Verhandlungen, „Reclay“ hatte den Wunsch des Stadtrates wegen mangelnder Rentabilität und zu großem Aufwand als nicht durchführbar eingestuft.

 

Wer die Kosten für die Entsorgung zahlt

Das System Die Kosten für das Duale System („Grüner Punkt“) in Deutschland mit Gelbem Sack oder Gelber Tonne zahlen letztlich wir Verbraucher. Während die Hersteller, die die Verpackungen von beispielsweise Lebensmitteln in Umlauf bringen, ihre Abgaben an das System entrichten, tragen die Käufer diese Kosten durch deren Umlage auf die Preise der Waren.

 

 Jochen Bilstein (SPD) sah in der Ratssitzung eine Zwangsläufigkeit: „Die Arroganz der Entsorgungsunternehmen muss dazu führen, diesem Antrag zuzustimmen.“ Für die CDU unterstrich Randolph Schmidt: „Wir lassen uns nicht gängeln.“ Beispielsweise habe Ennepetal einen zweiwöchigen Abfuhrrhythmus beim gelben Müll, weshalb es nicht zu erklären sei, warum das in Wermelskirchen nicht gehen soll. Bereits in ihrem Antragsschreiben hatten die Unterzeichner Christian Klicki (CDU), Heinz-Jürgen Manderla (FDP) und Henning Rehse (WNKUWG) betont: „Dass ein Mischsystem von gelbem Sack und gelber Tonne nicht technisch unmöglich oder wirtschaftlich unzumutbar ist, wird allein dadurch bewiesen, dass ein solches System in bestimmten Regionen seit Jahren flächendeckend praktiziert wurde und auch zukünftig praktiziert wird.“

 

Einstimmig einigte sich der Stadtrat, das Ansinnen der Grünen zur Einführung einer Wertstofftonne als Prüfantrag an die Verwaltung zu geben. Weniger Einigkeit herrschte bei den Optionen: Während der Grünen-Antrag von einer Tonne für jegliches Metall und alle Kunststoffe vorschlug, wünschte sich Rehse eine Tonne, in die ebenso Glas und Papier entsorgt werden können. Er sagte jedoch auch: „Das ist interessant und sollte verfolgt werden.“ Oliver Platt (Büfo) kann dem Grünen-Ansinnen „viel Positives abgewinnen“: Die Idee der Müllvermeidung durch den gelben Sack ist komplett gescheitert.“

Grünen-Sprecher Stefan Janosi erklärte: „Der Anspruch muss Müllvermeidung sein. Das Duale System wird dem nicht gerecht. Darauf haben wir als Kommune Einfluss. Wertstofftonnen bringen eine Recycling-Quote von 80 Prozent. Außerdem wird das Sortieren einfacher, es muss nicht mehr nach Verpackung und Nicht-Verpackung getrennt werden.“

Auf einen „Haken an der Sache“ verwies Manfred Schmitz-Mohr (Büfo): „Eine Wertstofftonne ist nicht Bestandteil des Dualen Systems und müsste demnach vom Bürger zusätzlich bezahlt werden.“ Die Grünen meinten, dass die Kosten für Wertstofftonnen anteilig von den Herstellern von Verpackungsmaterialien zu zahlen seien.

 

 

 

 

 

Oliver Platt erträgt den Gedanken kaum, dass sein Heimatland bald nicht mehr zur Europäischen Union gehört. Um seine Reisefreiheit und sein Mandat im Rat zu behalten, gibt er den britischen Pass nun ab.

 

Rheinische Post 28.02.2019

 

 

 

 

 

 

 

Brexit und die Folgen für einen Wermelskirchener

Ein Europäer gibt den britischen Pass ab

 

Von Theresa Demski

 

In der Schule nannten sie ihn „den Engländer.“ Und Oliver Platt gefiel das irgendwie. „Darauf war ich stolz, ohne es zu übertreiben“, sagt er. Mit seinem Vater stand er auf, wenn beim Fußball die englische Nationalhymne erklang und sein großer Pass mit den goldenen Buchstaben und der schnörkeligen Versicherung der Königin, als britischer Staatsbürger geschützt zu werden, bedeutete ihm etwas. Im März gibt er diesen Pass nun ab – und wer mit Oliver Platt ins Gespräch kommt, der merkt schnell, wie schwer ihm das fällt. „Ich habe nicht geglaubt, dass es wirklich einen Brexit geben wird“, sagt er, „ich habe nicht geglaubt, dass die Argumente der Rechten funktionieren.“

Entsprechend fassungslos stand er vor dem Ergebnis des Referendums. „So viel Dummheit“, sagt er, „ich liebe Europa, es ist der einzige Weg, um Frieden zu bewahren und sie treten es mit Füßen.“ Der Schaden sei schon jetzt immens, findet Platt. Was die politische Entscheidung für sein Leben bedeuten würde, wusste er damals noch nicht. „Also ging ich ins Rathaus und stellte eine Anfrage“, sagt er. Dabei ging es ihm auch um sein Ratsmandat, das er für das Bürgerforum angetreten hatte. Und schnell stand fest: Mit dem Brexit würde er es verlieren. „Dazu kam, dass ich einen Aufenthaltstitel brauchen würde und mich nicht mehr frei in Europa bewegen könnte.“ Das war zu viel.

INFO

17 Briten leben in Wermelskirchen

Zahlen Insgesamt leben im Rheinisch-Bergischen Kreis 249 Menschen mit britischem Pass. Davon wohnen 17 Briten in Wermelskirchen – unter ihnen mit dem Musiker Leslie Searle auch einer der Bekanntesten. Die übrigen britischen Staatsbürger verteilen sich auf folgende Städte und Gemeinden: In Bergisch Gladbach leben 90 Briten, in Burscheid neun, in Kürten 22, in Leichlingen 28, in Odenthal und in Overath jeweils 21 und in Rösrath 41.

Und damals traf er die Entscheidung, seinen britischen Pass abzugeben – egal wie die politischen Ränkespiele weitergehen würden. Dieses Spiel habe er nicht mitspielen wollen. „Ich bin richtig sauer auf mein Land“, sagt er, „also beschloss ich, Deutscher zu werden.“ Er fand sein altes Schulzeugnis, das ihm die nötige Deutschnote lieferte, wies B1-Sprachkenntnisse nach, besorgte Urkunden, schrieb seinen Lebenslauf und ging auf die Ämter. „Ich war mit Flüchtlingen schon häufig diese Wege gegangen“, sagt er, „und plötzlich traf es mich selbst.“

Inzwischen hat er den Einbürgerungsantrag gestellt, noch im März bekommt er den deutschen Pass. Und das lässt ihn nicht kalt – auch wegen seiner bewegenden Familiengeschichte. „Dieser britische Pass hat meiner Familie das Leben gerettet“, sagt er und beginnt zu erzählen. Von seinem Großvater, der Gemüsehändler in Birmingham war, auf einer Dienstreise in Valencia seine Frau mit französischem Pass kennenlernte und mit ihr gemeinsam noch in Spanien einen Sohn bekam. Oliver Platts Vater. Und der Junge erhielt den englischen Pass. Die Großeltern trennten sich, die Großmutter siedelte mit ihrem Sohn nach Paris um, lernte einen Österreicher kennen und lieben, der dann für die Wehrmacht arbeitete und nach dem Krieg ins Gefängnis kam. „Damals sollte auch meine Großmutter wegen Kollaboration mit dem Feind festgenommen werden“, erzählt Platt. Folter, Vergewaltigung und Demütigung drohten. Aber das englische Konsulat erfuhr von dem Jungen mit dem britischen Pass und brachte die Familie in Sicherheit – in die britische Besatzungszone nach Wermelskirchen.

„Der Pass rettete ihnen das Leben“, sagt Platt. Und diesen Pass gibt er nun ab. „Meinem Vater darf ich das nicht erzählen“, sagt er, „das würde ihm das Herz brechen.“ Aber an seiner Identität ändere das nichts. Er habe die britische Gelassenheit seines Vaters geerbt: „Keep calm – bleib ruhig“. Und gleichzeitig schätze er Fleiß und Pünktlichkeit – eher deutsche Tugenden. Ob er im April noch Brite sei? „Da wähle ich das Hintertürchen“, erklärt der 50-Jährige bewegt, „und sage: Ich bin Europäer.“